Mentale Gesundheit zu bewahren, ist manchmal schwer für Menschen mit Diabetes

 

Hallo, mein Name ist Jessica. Vor 3 Jahren bin ich mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden. Seitdem blogge ich auf happydiabetes.blog und auf Instagram @jessica.t1d über alles rund um das Thema Typ-1-Diabetes.

Anfangs war das Bloggen eine Art Selbst-Therapie, um mich mit der neuen Situation anzufreunden und um andere Menschen mit Diabetes kennen zu lernen. Allerdings bemerkte ich schnell, dass viele Menschen Probleme mit der psychischen Belastung, die diese Krankheit mit sich bringt, zu tun haben.

Da ich mich schon immer für Psychologie interessiert habe, habe ich beschlossen meine Passion zu meinem Beruf zu machen und Psychologie zu studieren. 

 

Eines meiner Herzensthemen ist die Stärkung der eigenen geistigen Gesundheit. Wie kann man am besten die eigene mentale Gesundheit langfristig stärken und Depressionen entgegenwirken? Wie kann man auch nach Schicksalsschlägen wieder aufstehen und sein Leben so leben wie man es sich wünscht? Für solche und andere Themen interessierte ich mich bereits, bevor ich mit meinem Psychologiestudium begann. 

Da ich als Erwachsene meinen Diabetes diagnostiziert bekommen habe, kann ich mich noch gut an ein Leben vor dem Diabetes erinnern und habe viele Vergleichspunkte. Für mich steht fest: Mentale Gesundheit zu bewahren, ist extrem schwer für Menschen mit Diabetes. Manche Dinge, die in Ratgebern angesprochen werden, sind gar nicht so einfach umsetzbar, wie beispielsweise die 8 Stunden Schlaf, die ja so gesund sein sollen. Trotzdem sollte man diese Dinge nicht so einfach als unmöglich abtun, sondern stattdessen nach Wegen suchen, die möglich sind – MIT Diabetes. Denn gerade Menschen, die eine chronische Krankheit haben, brauchen alle Ressourcen, die sie bekommen können. Mentale Kraft ist essenziell, um den Alltag zu bewältigen und den Diabetes zu managen. Denn bei psychischen Problemen leidet schnell das Blutzuckermanagement und das hat Folgen. Aus diesem Grund versuche ich so viel für meine mentale Gesundheit zu tun, wie ich kann.

 

„Aus einem leeren Brunnen kann man kein Wasser schöpfen.“

In diesem Bericht spreche ich über 3 Dinge, die sehr wichtig für eine mentale Gesundheit sind und die für mich einen großen positiven Einfluss auf mein Wohlbefinden haben. Und eventuell kann einer dieser Punkte euch auch dabei helfen mit dem alltäglichen Diabetes-Stress besser klar zu kommen. 

 

Schlaf

Schlaf ist nicht immer möglich, denn die Blutzuckermessung kennt keine Pausen. Ob mit oder ohne CGM, eine Kontrolle in der Nacht oder eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) – dies alles raubt einem schnell den Schlaf. Bei einer Hypoglykämie sind es für mich immer mindestens 30 Minuten die vergehen, um etwas zu essen, die verschwitzten Klamotten zu wechseln, noch einmal die Zähne zu putzen und mich wieder hinzulegen. Da auch immer der Puls etwas nach oben geht, ist es manchmal schwer für mich, wieder zu Ruhe zu kommen und einzuschlafen, auch wenn es 3 Uhr morgens ist. Das ist natürlich für die nächtliche Erholung überhaupt nicht gut und der Morgen danach ist meistens hart. Aber nicht nur das!

 

Schlaf ist wichtig für die mentale Gesundheit und ein guter und regelmäßiger Schlaf ist umso wichtiger, um sich vor Depressionen und Ängsten zu schützen. Schlaf und Stimmung sind auf neuronaler Ebene eng miteinander verbunden und wenn man sehr viel Schlaf durch den Diabetes verliert, kann es hilfreich sein dagegen zu steuern. Früher ins Bett zu gehen, am Wochenende länger zu schlafen oder ein kleiner Mittagsschlaf können Lösungsansätze sein. Seitdem ich Diabetes habe, habe ich neben meiner Blutzucker-App auch noch eine Schlaf-App mit der ich gerne in stressigen Zeiten nachhalte, ob ich auch genug Schlaf bekomme oder ob ich in diesem Bereich besser auf meine Bedürfnisse achten sollte.

 

 

Sport

Sport setzt im Körper "Glückshormone" frei und so ist es naheliegend, Sport zur Stärkung der mentalen Gesundheit zu nutzen. Jedoch macht Sport nicht immer nur den Kopf frei, sondern mit Diabetes muss viel umgestellt und beachtet werden, worunter auch die Motivation auf den Sport leiden kann. Mir hat es sehr geholfen, meinen Leistungsgedanken hintenan zu stellen. Ich versuche mich von Zwangspausen während des Sports nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, auch wenn es mir schwerfällt. Mir hilft es, Sport eher als "Wellness" und als Zeit, die ich achtsam für mich mit mir verbringe zu betrachten und nicht als Leistung, die immer weiter gesteigert werden muss. Außerdem habe ich viel mit verschiedenen Sportarten experimentiert, um etwas zu finden was zu mir passt und was ich gerne mache. Für mich haben sich gerade auch in den letzten Monaten virtuelle Sportarten bewährt. Ich mache gerne Yoga, indem ich YouTube-Videos folge oder ich spiele „Ringfit“ auf der Nintendo Switch.

  

 

 

Meditation

Meditation, Tai Chi, Beten und Co. sollen ja wahre Wunder auf die mentale Gesundheit wirken! Wäre da nicht das piepende CGM und die laute alarmierende Pumpe, die die gerade gewonnene Konzentration wieder zerrinnen lassen. Hat man es sich auf seiner Meditationsmatte gerade bequem gemacht, holt einen der lästige Ton wieder in die Realität zurück.

Ich entscheide mich in diesem Fall fürs Abschalten. Für eine halbe Stunde brauche ich keine Alarme um mich herum. Nach einem letzten Blick als Kontrolle bevor es los geht, ist meine erste Aufgabe bei der Meditation oft, mich nicht zu ärgern über den Wert den ich als letztes gesehen habe und zu akzeptieren, wie mein Diabetes gerade ist. Als positiven Langzeiteffekt merke ich bei mir eine generell größere Akzeptanz meiner Diabeteswerte. Das wirkt sich dann wiederum positiv auf mein Allgemeinbefinden aus.

  

 

 

 

Für mich bedeutet Leben mit Diabetes, dass ich sehr viel achtsamer mit meinem Körper und mit meinem Geist umgehe als vorher. Der Diabetes verlangt viel von einem Menschen ab. Oft geht im stressigen Alltag unter, dass man sich schon viel zu lange nicht mehr um sein eigenes mentales Wohlergehen gekümmert hat. 

Ich möchte euch gerne ans Herz legen, trotz Diabetes- und Alltags-Stress, oder gerade vielleicht wegen diesem Stress eine Pause einzulegen und darüber nachzudenken, in welchem Bereich ihr eurer mentalen Gesundheit etwas Gutes tun könnt. Ich bin mir sicher, ihr habt da super gute Ideen! Oder vielleicht macht ihr ja schon regelmäßig etwas, was euch Kraft gibt? Dann hinterlasst mir gerne einen Kommentar bei Instagram, ich freue mich auf neue Ideen und einen schönen Austausch mit euch!

 

Liebe Jessica, vielen Dank, dass du dein persönlichen Erfahrungen mit uns und den Lesern teilst. *

 


 

Ergänzende Quellen:

 

* Die in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind die des Autors und spiegeln nicht unbedingt die der Veranstaltung wider.